Erfahrungen

„Was fühlst du jetzt?“


Ich weiß nicht, wann ich es zum ersten Mal gemerkt habe. Aber auf einmal stellte ich sie mir selber jene so schlicht und einfach klingende Frage „Was fühlst du jetzt?“

Es klingt vielleicht komisch. Aber das Besondere daran ist eben, dass Werner mir nicht gegenüber saß oder irgendwo anders im Therapieraum präsent war. Nein, ich war alleine in meiner Wohnung, mir ging es nicht gut, ich grübelte „mal wieder“, verlor mich  zunehmend in meinen „alt eingefahrenen“ Gedanken und verworrenen Gefühlen, in Bewertungen derselben, in meinem Wust an Regeln, was ich darf, soll, muss ……… Ich drehte mich im Kreis, schimpfte mit mir selber, dass ich zu „blöd“ bin, mich aus dieser Negativspirale und Selbstvorwürfen herauszuschälen.

… und dann plötzlich war sie da die Frage:  „Was fühlst Du jetzt?“  Es war wie ein STOP-Schild, was mich aus dem so frustrierenden Kreislauf herausschoss und mich von dem unguten Muster befreite.

Diese Frage in ihrer Einfachheit reduzierte mich auf einmal auf das Wesentliche – nämlich auf mich, auf meine Gefühle in Reinform ohne wenn und aber –  und jetzt in diesem Moment.

Das heißt nicht, dass ich sofort eine Lösung für das Problem und für meine Not parat hatte. Aber ich fühlte mich viel ruhiger und stärker bei mir und meinem Inneren – als wie vorher draußen im Karussell meiner mich quälenden Regeln und Normen.

In dieser Ruhe spürte ich deutlicher, dass ich traurig oder enttäuscht oder was auch immer bin.

In dieser Ruhe spürte ich mich nicht mehr ganz so alleine, weil ich mir ja selbst so nah war.

 

Was fühlst du jetzt?

Und das fühlt sich trotz allem Schmerz und Unglücklichsein so gut an

Wie oft Werner mir diese Frage als Anker rüber geworfen hat, weiß ich gar nicht mehr. Am Anfang fand ich sie blöd diese Frage, weil sie mich doch so wegbrachte vom meinem mir so vertrauten Gedankenchaos. Neue Wege gehen, war mir unheimlich. Ich hab´s dann in den Stunden mit Werner zusammen ausprobiert und so wertvolle Erfahrungen gemacht. Bis ich dann irgendwann die Frage gegriffen und „mit nach Hause“ geholt habe.

Jetzt ist sie immer bei mir, die Frage „Was fühlst du jetzt“. Sie ist kein Patentrezept, aber für mich eine sichere Gehhilfe geworden in schwierigen „alltäglichen“ Zeiten außerhalb der Therapiestunden und ohne Werner an meiner Seite.

Sabine, im September 2011